Musik bei einer Trauerfeier hat eine Aufgabe: Sie gibt den Anwesenden ein paar Minuten, in denen niemand etwas sagen oder tun muss. Diese 15 Lieder tragen diesen Moment, sortiert nach Einzug, Aussegnung, Abschied am Grab und Trauerkaffee.
Wer eine Trauerfeier organisiert, hat oft nur zwei oder drei Tage Zeit für die Musikauswahl. Deshalb steht hier keine Rangliste, sondern eine Zuordnung: welches Lied an welcher Stelle funktioniert und worauf ihr bei der Länge achten solltet. Drei bis vier Minuten sind die Obergrenze, danach wird die Stille unangenehm statt tröstlich. Zu jedem Stück findet ihr die Aufnahme bei YouTube, damit ihr es vorher einmal ganz anhören könnt.
Beispiel-Zusammenstellung für die Feier
So sieht eine Auswahl aus, mit der ihr nichts falsch macht:
| Moment | Sichere Wahl | Länge |
|---|---|---|
| Einzug | Bach, Air (Link) | 3 bis 4 Minuten |
| Nach der Ansprache | Von guten Mächten (Link) | bis 4 Minuten |
| Am Grab | Amazing Grace (Link) | 1 bis 2 Minuten |
| Trauerkaffee | Einaudi, Le Onde (Link) | durchgehend |
Statt eines bekannten Stücks könnt ihr ein eigenes Trauerlied schreiben lassen: auf den Namen, das Leben und die Eigenheiten des Verstorbenen. Gemeinsam mit unserem Partner Liederstellen liefern wir den Liedtext und die fertige Aufnahme mit Musik und Gesang. So klingt das Ergebnis in zwei Stilrichtungen:
Einzug und Beginn der Trauerfeier
Zum Einzug läuft die Musik gegen Unruhe an: Gäste kommen herein, suchen Plätze, wissen nicht, wohin mit den Händen. Ein ruhiges Instrumentalstück ordnet den Raum schneller als jedes Wort.
1. Johann Sebastian Bach, Air aus der Orchestersuite Nr. 3
Das meistgespielte Stück deutscher Trauerfeiern, und eines der wenigen, die nach zwanzig Jahren nicht abgenutzt wirken. Die Melodie steigt langsam an und bleibt dabei so gleichmäßig, dass sie das Ankommen der Gäste trägt, ohne jemanden zu drängen. Weil es keinen Text gibt und keinen klaren Höhepunkt, lässt es sich an praktisch jeder Stelle ausblenden. Fragt den Bestatter nach einer Streicherfassung, Orgelaufnahmen klingen in kleinen Hallen oft dünn.
2. Ludovico Einaudi, Nuvole Bianche
Die moderne Alternative zu Bach, und in den letzten Jahren fast ebenso häufig gewünscht. Nur Klavier, kein Text, ein Aufbau, der sich über gut fünf Minuten langsam öffnet, statt sofort zu ergreifen. Genau das macht es für den Einzug so brauchbar: Die ersten Minuten sind leise genug, dass Gäste noch Plätze suchen können. Wer kürzen muss, blendet nach der zweiten Steigerung aus, dort bricht nichts ab.
3. Erik Satie, Gymnopédie Nr. 1
Sehr leise, sehr sparsam, kaum mehr als eine Handvoll Akkorde über drei Minuten. Passt besonders zu kleinen Feiern im engen Kreis, in denen große Musik falsch wirken würde, und zu Menschen, die Aufhebens nicht mochten. In einer vollen Trauerhalle geht das Stück dagegen unter, dort braucht es mehr Klangfülle. Prüft vorher die Lautstärke der Anlage, Satie verträgt keine Verzerrung im Leisen.
4. Andrea Bocelli, Time to Say Goodbye
Emotional deutlich stärker als die drei Stücke davor, deshalb eher zum Ende des Einzugs als zum Anfang. Sobald die Stimme einsetzt, hört jeder im Raum bewusst zu, und wer bis dahin gefasst war, ist es oft nicht mehr. Das kann genau richtig sein, wenn die Familie diesen Moment will. Wer es nüchterner mag, nimmt die Instrumentalfassung, die dieselbe Melodie ohne den Sog trägt.
Während der Trauerfeier: der Moment nach der Rede
Nach der Traueransprache braucht es einen Übergang. Hier darf das Lied Text haben, denn jetzt hören alle bewusst zu.
5. Reinhard Mey, Über den Wolken
Kein Trauerlied im engeren Sinn, aber genau deshalb so verbreitet. Es passt zu Menschen, die gern unterwegs waren, zu Piloten, Seglern, Fernfahrern, und es lässt Raum für ein Lächeln zwischen den Tränen. Der Text ist konkret genug, dass die Trauergäste an eine bestimmte Person denken, und harmlos genug, dass niemand sich bloßgestellt fühlt. Nach der Ansprache gespielt, entspannt es den Raum spürbar.
6. Dietrich Bonhoeffer, Von guten Mächten wunderbar geborgen
Der Standard bei kirchlichen Trauerfeiern, und einer der wenigen Choräle, die die Gemeinde tatsächlich mitsingt statt nur mitzulesen. Der Text stammt aus Bonhoeffers letzten Briefen, was ihm eine Ernsthaftigkeit gibt, die kein Popsong erreicht. Entscheidet euch für die Fassung von Siegfried Fietz, wenn kein Chor da ist: Sie ist die geläufigste und liegt in einer Tonlage, die auch ungeübte Stimmen schaffen.
7. Eric Clapton, Tears in Heaven
Vorsicht bei der Auswahl: Das Lied handelt vom Tod eines Kindes, Clapton schrieb es nach dem Unfall seines Sohnes. Wenn es passt, trifft es so genau wie kaum ein anderes Stück, und viele Anwesende kennen die Geschichte dahinter. Wenn es nicht passt, wirkt es unangebracht, gerade beim Abschied von einem alten Menschen. Fragt im Zweifel die engsten Angehörigen, nicht den Bestatter.
8. Herbert Grönemeyer, Der Weg
Für den Abschied von einem Partner oder einer Partnerin nach langen gemeinsamen Jahren. Grönemeyer schrieb das Lied nach dem Tod seiner Frau, und man hört, dass hier niemand tröstet, sondern jemand beschreibt, wie es ist. Textlich ehrlich, ohne Trost zu erzwingen, und im Aufbau ruhig genug für eine Trauerhalle. Die Stelle nach der zweiten Strophe ist der natürliche Punkt zum Ausblenden.
9. Unheilig, Geboren um zu leben
Eines der wenigen deutschen Lieder, die den Anlass direkt benennen, ohne schwer zu werden. Der Refrain ist eingängig genug, dass Gäste ihn kennen, und der Text bleibt bei der Dankbarkeit statt beim Verlust. Es funktioniert vor allem bei Feiern ohne kirchlichen Rahmen und bei Verstorbenen unter siebzig. In der Kirche stößt es dagegen häufiger auf Widerspruch, das gehört ins Vorgespräch.
Bei kirchlichen Trauerfeiern entscheidet die Gemeinde, ob weltliche Musik von der Anlage laufen darf. Viele Kirchen erlauben ein Stück, andere nur Orgel und Gemeindegesang. In der Trauerhalle des Friedhofs gibt es diese Einschränkung fast nie, dafür oft eine sehr einfache Anlage. Fragt nach, ob eure Datei abgespielt werden kann, und bringt sie zusätzlich auf einem USB-Stick mit.
Am Grab: kurz, draußen, ohne Anlage
Am Grab spielt oft nur ein Musiker oder eine Musikerin, meist Trompete, Saxofon oder Dudelsack. Wählt Stücke, die auch ohne Begleitung tragen.
10. Amazing Grace
Auf dem Dudelsack oder der Trompete das bekannteste Grablied überhaupt, und eines der wenigen Stücke, die draußen ohne Anlage tragen. Der Klang setzt sich auch bei Wind durch, und niemand muss auf ein Stichwort achten. Kurz halten: Eine Strophe reicht, zwei sind für die Angehörigen am offenen Grab schon lang. Sprecht mit dem Musiker vorher ab, wann er einsetzt.
11. Sarah Brightman und Andrea Bocelli, Con te partirò
Die italienische Urfassung von Time to Say Goodbye, meist gewünscht von Familien mit Bezug zu Italien. Der Text ist ein Abschiedslied unter Liebenden, kein religiöses Stück, was für weltliche Feiern eher ein Vorteil ist. Am Grab braucht es eine Anlage, für Trompete allein ist die Melodie zu wenig. Prüft vorher, ob der Friedhof überhaupt eine Beschallung erlaubt.
12. Der Mond ist aufgegangen
Ein Abendlied, das viele aus der Kindheit kennen, und deshalb bei sehr alten Verstorbenen der ruhigste mögliche Abschluss. Der Text von Matthias Claudius spricht vom Schlafen, nicht vom Sterben, was gerade den älteren Trauergästen den Abschied leichter macht. Es lässt sich am Grab ohne Anlage singen, wenn jemand die erste Zeile anstimmt. Drei Strophen sind das Höchste, alles darüber ermüdet.
Draußen wirkt jedes Stück länger als drinnen. Die Trauergäste stehen, oft im Wind, oft ohne Sitzgelegenheit für die Älteren. Eine Strophe auf Trompete oder Dudelsack ist genug, alles darüber wird für die Familie am Grab anstrengend statt tröstlich.
Trauerkaffee: wenn wieder gesprochen wird
Beim Trauerkaffee soll Musik nicht im Mittelpunkt stehen, sondern die Stille an den Tischen auffangen. Leise, instrumental und lang genug, damit niemand die Anlage bedienen muss.
13. Ludovico Einaudi, Le Onde (Album)
Eine gute Stunde Klaviermusik am Stück, ohne Bruch und ohne Stelle, an der jemand eingreifen müsste. Das ist der einfachste Weg, den Nachmittag musikalisch zu füllen, ohne dass eine Playlist zusammengestellt werden muss. Die Lautstärke ist der ganze Trick: Die Musik soll die Stille an den Tischen auffangen, nicht die Gespräche übertönen. Legt das Album vorher auf das Gerät, nicht auf einen Stream.
14. Yann Tiersen, Comptine d'un autre été
Bekannt aus dem Film Amélie, hell statt schwer, und mit zwei Minuten kurz genug, dass es nicht schleppt. Es passt, wenn die Feier bewusst nicht düster sein soll, etwa beim Abschied von einem Menschen, der Humor hatte. Beim Trauerkaffee läuft es am besten in einer Endlosfassung oder als Teil eines Klavieralbums. Allein gespielt wirkt es zu kurz und die Wiederholung fällt auf.
15. Louis Armstrong, What a Wonderful World
Das häufigste Schlusslied moderner Trauerfeiern, und aus gutem Grund: Es beendet den Tag mit Dankbarkeit statt mit Verlust. Armstrongs Stimme ist so vertraut, dass sie den Raum sofort öffnet, und der Text bleibt allgemein genug für jeden Anlass. Am besten ganz am Ende, wenn die Gäste sich verabschieden. Wer es zum Einzug nimmt, verschenkt die Wirkung, dort ist es zu warm.
Wenn ihr gerade die ganze Feier plant, hilft unsere Beerdigung-Checkliste durch die übrigen Schritte.
Häufige Fragen
Wie viele Lieder braucht eine Trauerfeier?
Drei bis vier Stücke reichen für eine klassische Trauerfeier: eines zum Einzug, eines nach der Ansprache, eines zum Auszug oder am Grab. Wer einen Trauerkaffee anschließt, plant zusätzlich leise Hintergrundmusik ein, meist ein ganzes Klavieralbum statt einzelner Titel.
Wie lang darf ein Lied bei der Trauerfeier sein?
Drei bis vier Minuten sind die Obergrenze. Danach wird die Stille für die Anwesenden unangenehm statt tröstlich. Sprecht mit dem Bestattungsinstitut vorher ab, an welcher Stelle ausgeblendet wird, wenn ein Stück länger ist.
Darf bei einer kirchlichen Trauerfeier Popmusik gespielt werden?
Das entscheidet die Gemeinde. Ruhige Stücke wie Time to Say Goodbye oder Über den Wolken sind vielerorts möglich, gerade in Instrumentalfassung. Klärt die Auswahl im Trauergespräch, nicht am Tag der Feier.
Kann man ein eigenes Trauerlied schreiben lassen?
Ja. Ihr beschreibt den Menschen, um den es geht, und bekommt den Liedtext darauf geschrieben, fertig vertont mit Musik und Gesang. Wir erstellen das Trauerlied gemeinsam mit unserem Partner Liederstellen direkt hier auf der Seite.
Welche Musik läuft beim Trauerkaffee?
Leise Instrumentalmusik, die niemand bedienen muss. Ein ganzes Klavieralbum wie Le Onde von Ludovico Einaudi deckt den Nachmittag ab, ohne dass jemand nachlegen muss. Wichtig ist die Lautstärke: Die Musik soll die Stille an den Tischen auffangen, nicht Gespräche übertönen.
Welches deutsche Lied passt zur Trauerfeier?
Über den Wolken von Reinhard Mey passt zu Menschen, die gern unterwegs waren, Der Weg von Herbert Grönemeyer zum Abschied von einem Partner nach langen gemeinsamen Jahren, Von guten Mächten zum kirchlichen Rahmen. Deutsche Texte werden im Raum sehr aufmerksam gehört, prüft sie deshalb Strophe für Strophe.